Während die Vertikalablenkung in der Praxis als
weitgehend unabhängige Stufe aufgebaut ist, gewinnt man
über die Horizontalstufe — sozusagen als „Nebeneffekt“3
— gleichzeitig die Hochspannung für den Betrieb der
Bildröhre und die Fokussierung der Elektronen strahlen
sowie einige weitere Betriebsspannungen. Dieses
energietechnisch sehr vorteilhafte Konzept hat sich vor
vielen Jahren als Standard in der Fernsehtechnik
durchgesetzt und verleiht der Horizontalstufe eine
zentrale Funktion — nicht nur für den Bildaufbau.

Abb. 2: Aufbau des Fernsehsignals nach der
europäischen Fernsehnorm (PAL) — links Halbbild mit
Bildwechsel- und Zeilensynchronimpulsen; rechts Zeile
mit Zeilensynchronimpulsen und
Burstsignal für Farbinformation
Kissenkorrektur
Die
Geometrie der Bildröhre würde das Bild bei normaler
Projektion an den Bildschirm- rändern kissenff5rmig
verzerren. Daher besitzt jedes Fernsehgerät und jeder
Monitor eine vertikal wirkende Nord-Süd-Kissenkorrektur
und eine horizontal wirkende Ost-West Kissenkorrektur.
Die dafür zuständigen Einheiten überlagern die Ströme
der Ablenkspulen durch so genannte Parabelströme und
entzerren so das Bild.
Signalteil — der Weg des Fernsehsignals
Die
eigentliche Bild- und Toninformation ist dem
hochfrequenten Fernsehsignal
als Zusammensetzung mehrerer
quasi-übereinanderliegender Signale aufmoduliert
(VHF Bereich 1: 41 — 68 MHz, VHF-Bereich III: 174 — 223
MHz, UHF Bereich: 470 — 800 MHz, darüber die
verschiedenen Satelliten-Frequenzbänder). Die
Fernsehnorm ist, was
3
Energetisch gesehen
spielt der Betrieb der Horizontalablenkspulen eine
untergeordnete Rolle und verdient
es eher, als
„Nebenprodukt“ bezeichnet zu werden. Bei einigen
Modellen übernimmt die 1-lorizontalendstufe
sogar die Funktion des
Schaltnetzteils mit und erzeugt alle im Gerät benötigten
Betriebsspannungen.
den
Signalaufbau betrifft, recht unorthodox und erklärt sich
eigentlich nur aus dem historischen Kontext heraus. Für
das Sendesignal stehen pro
Kanal im VHF-Bereich eine Bandbreite von 7 MHz und im
UHF-Bereich von 8 MHz zur Verfügung. Dies ist nicht
viel, bedenkt man, dass bereits 5 MHz (15 625 *312,5)
für ein Schwarz/Weißbild erforderlich sind. Dazu kommt
nun noch das Tonsignal (inzwischen natürlich Stereo) und
die Farbinformation. Bei
hochauflösenden oder digitalen Fernsehnormen wird
es noch komplizierter.
Wie
auch immer, spezielle Modulationstechniken und -tricks
machen es möglich, dass das so genannte
Leuchtdichtesignal (eigentliches Schwarz/Weißbild- oder
Y-Signal) in Amplitudenmodulation die beiden Farbsignale
R-Y und B-Y mit Hilfe einer zusätzlichen 4,43
MHz-Farbhilfsträgerfrequenz (Burst)
und das Tonsignal in Frequenzmodulation gerade noch
ausreichend nebeneinander Platz finden. Bei den
hochauflösenden analog
orientierten Fernsehnormen muss natürlich noch
trickreicher moduliert werden. Die seit einigen Jahren
ausschließlich von Satelliten abgestrahlten digitalen
Fernsehnormen ziehen endlich einen Schlussstrich unter
diese verworrene Technologie und kommen nicht zuletzt
aufgrund der verwendeten Kompressionsverfahren auf
wesentlich schmalere Bandbreiten je Kanal, bei weitaus
größerem Umfang an Bild- und Toninformation.
Die
Aufgabe des Signalteils im herkömmlichen analogen
Fernsehempfänger besteht nun hauptsächlich darin, das
„Signalknäuel wieder zu entwirren“. Abbildung 1
verdeutlicht seine modulare Gliederung. Das
Antennensignal wird im Tuner in der entsprechen den
Bandbreite herausgeschnitten, verstärkt und in einer
Mischstufe mit der Zwischenfrequenz 38,9 MHz versetzt,
welche eine kräftige Verstärkung durch die ZF-Stufe mit
spezieller Bandfiltercharakteristik ermöglicht. Am
Ausgang der ZF-Stufe können Bild- und Tonsignale durch
5,5 MHz-Bandfilter (5,5 MHz ist der sog. Tonabstand im
Fernsehsignal und gilt für die meisten in Westeuropa
verwendeten Fernsehnormen) voneinander geschieden und
getrennt demoduliert werden.
Die Verarbeitung des Tonsignals hält sich an das Prinzip
des klassischen UKW-Radioempfängers, auch was die
weitergehende Stereo Dekodierung betrifft. Das
Bildsignal (FBAS) erfordert dagegen eine weitere
Auftrennung in einen Farbanteil F (RGB-Signale),
einen Leuchtdichteanteil B (Y-Signal) und einen Austast-
und Synchronisationsanteil (AS-Signale). Letzterer
enthält übrigens zusätzlich noch die Informationen für
Videotext. Der Leuchtdichteanteil wird schlicht durch
Heraus- sieben des 4,43 MHz
Farbanteils in einer Bandbreite von 1,3 MHz gewonnen.
Damit ist klar, dass die reine Farbinformation eine viel
geringere Auflösung als die Helligkeitsinformation
besitzt und sich eine Farbpunktinformation auf ca. 4
Bildpunkte bezieht. Da bei reinen Schwarz/Weiß-Sendungen
keine Farbinformation gesendet werden muss, besteht
4
Eine hohe Amplitude (75%)
bedeutet einen schwarzen Bildpunkt und eine niedrige
Amplitude (10%) einen weißen Bildpunkt.
Dazwischen liegt Grau.
Die Synchronisationsimpulse sind als spezielle
„Schwarzschultern“ (100 %) definiert.
5
G-Y wird aus Y, R-Y und
B-Y rekonstruiert.
die
Möglichkeit, bei solchen Sendungen über eine
automatische Abschaltung (Farbabschalter) der 4,43
MHz-Falle im Leuchtdichteverstärker eine größere
Bildschärfe zu er zielen,
eine Technik, von der Fernsehstationen heutzutage keinen
Gebrauch mehr machen.
Das
Leuchtdichtesignal wird schließlich im Y-Verstärker noch
einmal kräftig verstärkt und allen drei Kathoden mit
einer Spannung von gut 100 V
SS entweder direkt
(bei Farbdifferenzansteuerung der Bildröhre) oder
indirekt (bei RGB-Ansteuerung
als gemeinsamer Y-Summand für die Signale R-Y, B-Y und
G-Y) zugeführt.
Das
Farbartsignal erfährt noch weitere Behandlung, die je
nach Fernsehnorm (PAL oder SECAM) unterschiedlich
ausfällt. Zunächst wird recht aufwändig die senderseitig
unter drückte 4,43 MHz-Trägerfrequenz erzeugt und
synchronisiert — die Synchroninformation lässt sich dem
AS-Anteil am Ende einer jeden Zeile entnehmen (vgl.
Abbildung 2 rechts). Das über einen Bandfilter aus
dem FBAS-Signal
herausgesiebte Farbartsignal
kann dann im Zusammenspiel mit der regenerierten
Farbhilfsträgerfrequenz in zwei um 90°
phasenverschobene Teile
zerlegt werden, die die Grundlage für das R-Y- und B-Y
Signal bilden. Das in Deutschland verwendete
PAL-Verfahren sieht nun vor, dass, z.B. im Gegensatz zum
amerikanischen NTSC-Verfahren6
, die
Farbechtheit der so gewonnenen Information trotz
Einflüssen durch ungünstige Empfangsbedingungen
(Phasenverschiebungen) gewährleistet bleibt. Die
PAL-Kodierung des Farbartsignals nutzt geschickt einen
„physikalischen Trick“ aus, der darin besteht, dass die
R-Y-Farbinformation je zweier
aufeinanderfolgender Zeilen eines Halbbilds
zueinander jeweils um 180°
phasenverschoben gesendet werden — d.h. eine
Zeile trägt die „richtige“ Farbinformation und die
nächste genau die im Rotanteil komplementäre (Rot wäre
also Grün, Hellgrün Orange und Gelb sowie Blau
unverändert)7
Aus je zwei Zeilen lässt sich dann durch geschickte
elektrische Addition exakt der senderseitig „gemeinte“
Farbton herstellen. Damit es möglich ist, zwei
nacheinander gesendete Zeilensignale gleichzeitig zu
verwenden, besitzt jede PAL Farbstufe als typisches
Merkmal ein 64 µs-Verzögemngsglied
in Form eines Kristalls mit Ultraschallgeber- und
-nehmersystem. Nachdem der HF-Anteil herausgefiltert
ist, wird das R-Y-Signal jeder zweiten Zeile umgepolt
(PAL-Schalter) und der „Dematrix“
zugeführt, wo durch elektrische Addition aus den
schließlich phasenrichtigen Signalen R-Y und B-Y das
Signal G-Y rekonstruiert werden kann.8
Drei
identisch aufgebaute Signalverstärker in der
RGB-Endstufe, die nun
wiederum auch wieder in Monitoren zu finden sind,
verstärken die Farbinformationen schließlich je nach
verwendetem Ansteuerungsverfahren entweder unverändert
oder unter Addition des Y Signals so, dass die
Elektronenstrahlen der drei Bildröhrenkathodensysteme
geeignet damit geregelt werden können.
6
Für das ältere NTSC-Verfahren hat sich daher die
unrühmliche Akronym-Verwörtlichung
„ Never
The Same Color“ (niemals die gleiche Farbe)
eingebürgert.
7
Das Prinzip lässt sich am besten anhand eines
Farbkreises nachvollziehen, bei dem ein rechtwinkliges
Koordinatensystem eingetragen ist. Eine Achse beschreibt
das R-Y-Signal und die andere das B-Y-Signal).
8Der
Rekonstruktion liegt die Summenformel R+B+GY zugrunde.